Der Blick geht zum Fenster. Draußen fĂ€hrt ein Van mit Surfbrettern vorbei. Urlaub, das wĂ€re jetzt eine gute Idee. Im Hintergrund das Getöse des GroßraumbĂŒros. Das Klackern der Tastaturen vermischt sich mit den Stimmen am Telefon. Papier raschelt. Gestern kam ein Bericht ĂŒber die Erstbesteigung des Mount Everest. Komisch der Gedanke jetzt in dieser Umgebung. Einfach unglaublich, dass zwei MĂ€nner sich in Eis und Schnee auf den Gipfel eines 8848 m hohen Berges quĂ€len, um ihren Traum zu verwirklichen. Das Telefon klingelt, ein Kunde möchte beraten werden. Ist auch wichtig. Aber die Gedanken schweifen wieder ab. Wie schafft man es nur, so konsequent sein eigenes Ding zu machen?

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Ideen verwirklichen gegen alle WiderstÀnde

GegenĂŒber glitzert die Reklame von ALDI in der Sonne. Wieder zwei, die ihr Ding durchgezogen haben. Kein Mensch konnte sich damals vorstellen, dass man Ware nicht ordentlich in Regalen aufstellt, sondern in Kartons stapelt, um sie billig verkaufen zu können. Die Albrecht-BrĂŒder schon. Effizienz war das Zauberwort. Keine unnötigen ArbeitsablĂ€ufe, keine verschenkten Raumressourcen. Und schon gar keine PersonalkapazitĂ€ten benötigen, die man einsparen konnte. Ideen, die hierzulande nicht nur begeisterten. Zuerst. Heute lernt jedes Kind schon diesen Namen so frĂŒh auszusprechen wie Mama und Papa. Wieder jemand, der seinen Traum verwirklicht hat. Gegen alle WiderstĂ€nde.

Sich selbstĂ€ndig machen – so einfach wie nie

ExistenzgrĂŒndung. Sich SelbstĂ€ndig machen. Eigentlich einfacher als je zuvor. Warum fĂ€llt es trotzdem so schwer, den Schritt zu gehen und seinen Traum zu leben? Klar, die Komfortzone als Arbeitnehmer ist schon verlockend. Aber was ist mit den eigenen TrĂ€umen? Wollte man nicht schon immer seine StĂ€rken leben? Das umsetzen, was einen wirklich antreibt und lockt? Dabei geht es meist gar nicht um Höchstleistungen. Manchmal sind es Kleinigkeiten, die man schaffen möchte.

VerĂ€ndern. Dinge etwas schöner und komfortabler gestalten. Oft sind es die kleinen und großen Sackgassen, die zu den besten Entscheidungen fĂŒhren.

So wie bei Bobby Dekeyser. Besser bekannt unter dem Namen seiner Firma Dedon. Als Fußballer in jungen Jahren ausgedient, beschloss er, das zu tun, was ihm wirklich Spaß machte: Outdoormöbel designen. Gute Idee, aber in der ersten Zeit wenig erfolgreich. Er gab nicht auf, arbeitete an der QualitĂ€t und dem bis dahin nie dagewesenen Stil seiner Möbel. Irgendwann hat es klick gemacht. Heute stehen seine Möbel in aller Welt. Muss man also Weltenbummler, Lebemann oder Pfennigfuchser sein, um sich selbststĂ€ndig zu machen?

Die Komfortzone verlassen und dann?

Mittagspause. Jeden Tag das gleiche Programm. Das gibt Sicherheit. So wie der garantierte Betrag auf dem Girokonto am Zahltag. Und der Schreibtisch, auf dem die Fotos von draußen und die eigene Handcreme stehen. Schließlich will der Vermieter seine Miete haben und die Bank den Autokredit. Aber nebenher seine Tanzleidenschaft zum Job machen, das wĂ€re doch etwas. Oder seine veganen KĂ€sekreationen professionell herstellen und samstags auf dem Wochenmarkt verkaufen. Oder …

Was Albrechts, Dekeyser und Co. können, kann jeder in seinem ganz individuellen Bereich schaffen.

Und wenn es um mehr geht als die Verwirklichung der eigenen TrĂ€ume, umso besser. So wie bei Martin Aufmuth, der ein wenig die Welt verbessern möchte. Und neben seinem Job als Lehrer die Initiative „einDollarBrille“ grĂŒndete. Statt in der Garage bastelte er in seinem Keller an einer Biegemaschine fĂŒr einfache billige Brillengestelle fĂŒr die Welt. Inzwischen konnte er so Tausenden von Menschen in Afrika helfen. Und sein Ziel ist noch ein wenig grĂ¶ĂŸer. Er möchte 150 Millionen Menschen mit Brillen versorgen. Und hat dafĂŒr inzwischen seinen Beruf als Lehrer aufgegeben.

Die Mittagspause ist vorbei. Die zweite HĂ€lfte des Arbeitstages steht an. Genauso strukturiert mit den gleichen Aufgaben und den gleichen Themen wie heute Vormittag. Alles wie immer. Nein, nicht ganz. Der Blick geht zum Fenster. Das Telefon klingelt. Ein Kunde möchte beraten werden. Gut. Aber da draußen gibt es noch mehr. Reichlich Platz fĂŒr die eigenen StĂ€rken. Sich selbststĂ€ndig machen.

Erst einmal nebenher. Anfangen, ausprobieren, austesten. Aber unter eigenem Namen. Mit den eigenen Ideen. Ist auch wichtig.