Schon Steve Jobs oder Carl Benz wollten ihre eigenen Ideen umsetzen und nach der einen Nische suchen. So wie viele Andere auch. Zu jeder Zeit war der Schritt in die Selbstständigkeit gewagt und kostete Mut und Geld. Viele haben es dennoch getan und für sich selbst und ihre Kunden einen Mehrwert generiert. Manche haben sogar ein wenig unser Leben verändert. Trotz aller Zweifel und Kritik.

Hierzulande ruft der Wunsch, sein eigener Chef sein zu wollen, heute mehr denn je Erstaunen und Kopfschütteln hervor. Das Image in Sachen Selbstständigkeit hat sehr gelitten. Trotz digitaler Möglichkeiten, die Vieles vereinfachen.

Wer verzichtet schon freiwillig auf Netz und doppelten Boden?

Abitur, Studium, Auslandsaufenthalt. Beste Voraussetzungen für eine Karriere allererster Güte. Eine Spielwiese, auf der man viel Geld verdienen kann. Auch als Selbstständiger? “Kind, wie kannst Du das machen? Du kannst doch so viele gute Posten bekommen. Denk doch an das Risiko.”

Tja, das Image. Während in Amerika derjenige hoch im Ansehen steht, der etwas wagt und aus eigener Kraft ein Unternehmen aufbaut, gilt das bei uns immer noch nur beim Häusle bauen. Geld verdient wird aber bitte schön für den Chef in einem ordentlichen Arbeitsverhältnis. Jede Mutter bekommt aus dem Stand graue Haare, wenn ihr Kind von Selbstständigkeit fabuliert. Altersarmut, fehlende Krankenversicherung und Berge von Schulden geistern vor dem inneren Auge und durch die Presse.

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Gründungszuschuss mit der Lizenz zum Sparen

Denn hat ein Gründungswilliger seine Idee gefunden, kommt die erste große Hürde, nämlich die, sich Geld zu beschaffen. Die Banken ließen angehende Selbstständige schon früher entweder nur bis zur Eingangstür oder gerade noch bis zum Schalter und wiesen sie dann meist ab. Ohne Sicherheiten oder Bürgschaft kaum eine Chance.

Die Zahl der Existenzgründer nahm in den 1980er Jahren bis 2003 noch weiter ab, obwohl sie ohnehin im internationalen Vergleich schon verschwindend gering war. Wer arbeitslos war und sich daraus in eine eigenverantwortliche Tätigkeit retten konnte, mit der er seinen Lebensunterhalt erwirtschaftete, erhielt immerhin Überbrückungsgeld.

Ein Licht am Horizont war in der Gründungsförderung von 2003 – 2006 der Zuschuss der “Ich-AG”. Damit war es nach viel Kritik 2006 vorbei. Es kam der Existenzgründungszuschuss, der alle vorherigen Förderungen ablöste. Mit Rechtsanspruch. Die Gründungen nahmen zu. Auch Frauen machten sich nun immer häufiger selbstständig. Und die Banken zogen mit. Endlich schien es auch hierzulande so etwas wie eine Gründerkultur zu geben.

Das änderte sich 2011 ziemlich abrupt, als aus dem Rechtsanspruch eine Ermessensleistung der Arbeitsagenturen wurde. Mit der Lizenz zum Sparen. Denn nicht jeder, der wollte, durfte auch einen Antrag stellen. Und nicht jeder, der einen Antrag stellte, erhielt auch den Zuschlag. So erstickt man Gründungswillen im Keim.

Deutschland – ein Land der Arbeiter und Angestellten

Seitdem nehmen die Gründungen aus der Arbeitslosigkeit wieder deutlich ab. Ebenso wie die Anzahl der Mutigen, die außerhalb einer Arbeitslosigkeit in Vollzeit gründen möchten. Dafür gibt es immer mehr Nebenerwerbsgründungen, mit Doppelbelastung und dem festen Gehalt eines Arbeiters oder Angestellten im Hintergrund.

Trotz einer ganzen Palette an Krediten der KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) fehlen oft die Mittel zum Überleben, bis ein Business angelaufen ist. Und auch die KfW arbeitet nur über die Hausbank, sodass man sich hier wieder mit einem oft wenig gründungsaffinen Banker auseinandersetzen muss. Sicherheiten sind erwünscht. Fragezeichen eher nicht.

Und der Arbeitsmarkt blüht und lockt mit allen Vorteilen, die ein Angestelltenverhältnis mit sich bringt. Komplette soziale Absicherung, festes Gehalt am Monatsende, keine Akquise, keine Vertragsverhandlungen, Weiterqualifizierungen inbegriffen. Alles paletti.

Wozu solltest Du Dich da dem Wagnis aussetzen, mit Stumpf und Stil als Existenzgründer unterzugehen? Wer sich heute selbstständig macht, hat anscheinend alles falsch gemacht.

Vom Garagengründer zum Coworking-Space

Falsch ist daran sicher nur die Entwicklung. Und man muss sich ernsthaft fragen, ob diese so gewollt ist. Im Land der Dichter und Denker wird das Entwickeln und Umsetzen von Geschäftsideen nicht wirklich gefördert. Während international bereits in den Schulen unternehmerische Fähigkeiten in Projektgründungen vermittelt werden, hat dies bei uns immer noch Seltenheitswert.

Wenn Du Dich dennoch auf den Weg machst, zu gründen, erfährst Du in Dutzenden Infoblättern und auf Internetseiten, wie man sein Gewerbe anmeldet. Und wer sicher nicht zu den Freiberuflern gehört. Und wie eine Umsatzvorauszahlung abläuft. Und welche Nachzahlungen Du einkalkulieren musst.

Und dann wirst Du als Gründer allein gelassen. Mit Deiner Idee, Deinem Business, Deinen Steuern, Deinem nicht ausreichenden Marketing, Deiner unklaren Positionierung und den Kunden, die Du gerne hättest. Selbst schuld.

Über die vielen Möglichkeiten, die Dir z. B ein Coworking-Space bietet und wie Du Synergien mit anderen nutzen kannst, informiert Dich kaum jemand. Aber es gibt sie, ebenso wie Kommunen und Institutionen, die Gründer unterstützen. Man glaubt es kaum, der Tanker Gründungskultur bewegt sich doch. Ganz langsam und immer wieder gebremst, aber sicher.

Bis das Image sich gedreht hat, gilt mit einem lachenden und einem weinenden Auge: Wer nichts wird, wird selbstständig. Und macht damit vielleicht alles richtig.